Gesundheitssystem

Aus Nachhaltige Gesellschaft
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Österreich: zu viele Spitalsaufenthalte
und zu hoher Alkoholkonsum[1]


Gesundheitssysteme im internationalen Vergleich

Warum Österreichs Gesundheitssystem zu teuer ist (Nov.15)

Das österreichische Gesundheitssystem ist noch immer viel zu spitalslastig. Das geht aus einem OECD-Bericht hervor. Schuld daran ist der Filz zwischen Krankenkassen und Bundesländern, sagt Gesundheitsökonom Pichlbauer. Österreich gehört zu jenen Ländern mit den meisten Spitalsbetten. Dies geht aus einem Bericht der OECD hervor. Darin werden die Gesundheitssysteme in den Industriestaaten verglichen. Laut OECD hat Österreich pro tausend Einwohner um 60 Prozent mehr Spitalsbetten als der Durchschnitt aller OECD-Staaten. Die hohe Zahl der Spitalsaufenthalte (hier liegt Österreich sogar um 70 Prozent über dem OECD-Schnitt) lasse sich nicht durch die Bevölkerungsstruktur erklären, heißt es in dem Bericht. So haben skandinavische Länder wie Finnland und Schweden einen deutlich höheren Anteil an älteren Personen, trotzdem ist dort die Hospitalisierungsrate niedriger.[1]

Österreich ist sehr spitalslastig

Mit 266 Spitalsentlassungen pro 1000 Einwohner in einem Jahr ist Österreich Weltspitze. „Die Spitalsentlassungen sind ein Gradmesser für die Effizienz“, sagt Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer. Denn hier werden alle Personen gezählt, die sich länger als 24 Stunden in einem Spital aufhalten und dieses lebend wieder verlassen. „Bei uns werden zu viele Menschen ins Spital geschickt. Damit steigen die Kosten. Weltweit geht der Trend in den Ausbau des ambulanten Systems“, so Pichlbauer. Auch die OECD kritisiert, dass in Österreich der Anteil von ambulant durchgeführten Operationen niedrig ist. So werden in Österreich „derzeit praktisch keine Tonsillektomien (Entfernung der Mandeln, hauptsächlich bei Kindern) ambulant oder tagesklinisch durchgeführt, während solche Eingriffe in vielen anderen OECD-Ländern vorrangig als Tagesfälle behandelt werden“, schreibt die OECD. Die österreichische Gesundheitswirtschaft ist ein Milliardenmarkt. Zuletzt lagen die jährlichen Gesundheitsausgaben bei 34,8 Milliarden Euro. Der Großteil (38,8 Prozent) fließt in den stationären Bereich wie in die Spitäler. Nur 25,2 Prozent gehen in den ambulanten Bereich. Die Ausgaben für Arzneimittel liegen bei 12,2 Prozent. Der Rest entfällt auf Sonstiges wie Ausgaben für Langzeitpflege, Krankentransporte, medizinische Geräte, Verwaltung und vieles mehr. Pro Jahr steigen die Ausgaben um hunderte Millionen Euro.[1]

Spitäler als Spielwiese der Länder

„Seit Jahrzehnten wird die Spitalslastigkeit kritisiert“, sagt Pichlbauer. Doch abgesehen von kleineren Reformen habe sich nur wenig geändert. Schuld daran ist „der Filz zwischen Krankenkassen und Bundesländern“, so der Experte. Denn für die Spitäler sind in Österreich die Bundesländer zuständig. So hat etwa im heurigen Frühjahr kurz vor den Landtagswahlen Burgenlands Landeshauptmann, Hans Niessl (SPÖ), einen Ausbau des Krankenhauses in Kittsee angekündigt, obwohl sich nur zwölf Kilometer entfernt im niederösterreichischen Hainburg auch ein Spital befindet. „Hier bedarf es einer zentralen und österreichweiten Steuerung“, sagt Pichlbauer. Das nächste Problem sind die Krankenkassen. „Für sie ist es günstiger, die Patienten in die Spitäler zu schicken“, so der Gesundheitsökonom. Denn für die Spitäler zahlen die Krankenkassen nur einen kleinen Pauschalbetrag, somit müsse der Steuerzahler für einen Großteil der Kosten aufkommen. In den Krankenkassen haben die Sozialpartner (rote Gewerkschaften/Arbeiterkammern und schwarze Wirtschafts- und Landwirtschaftskammern) die Macht untereinander aufgeteilt. Pichlbauer: „Daher geht bei der Gesundheitsreform wenig weiter.“ Interessant ist laut OECD-Bericht, dass Österreich, neben Griechenland, weltweit Spitzenreiter bei der Zahl praktizierender Ärzte ist. Der von der Ärztekammer kritisierte Ärztemangel sei daher nur „virtuell“, so Pichlbauer. „Wir haben genug Ärzte, doch offensichtlich wollen viele Ärzte nicht im öffentlichen System arbeiten.“[1]

Rechnungshof zerpflückt Ausbildung der Ärzte in Österreich ohne Evaluierung

Fehlende Verantwortung der Lehrenden, intransparente Bezahlung und jahrzehntelang ausbleibende Evaluierungen von Spitälern sind den Prüfern aufgefallen. Ab und zu gibt es vom Rechnungshof (RH) auch Schelte für seinen Auftraggeber – und das ist das Parlament. Was der Nationalrat bei der Ärzteausbildung beschlossen hat, war nämlich im Vorfeld vom Rechnungshof bereits kritisiert worden, "die diesbezüglichen Hinweise des RH im Rahmen des Begutachtungsverfahrens blieben im weiteren Gesetzgebungsprozess unberücksichtigt", stellen die Prüfer in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Bericht fest.[2]

Organisatorische Mängel
Dabei waren sie im Prinzip sehr für die Neuordnung der Ärzteausbildung, vieles liege aber nach wie vor im Argen: Die ärztlichen Leiter, die die Ausbildung ihrer jungen Kolleginnen und Kollegen koordinieren sollten, könnten ihre Verantwortung nicht entsprechend wahrnehmen, kritisiert der RH.

Die Träger der Krankenanstalten hätten die notwendigen organisatorischen Voraussetzungen in den vom RH geprüften Fällen nicht geschaffen.

Für Reform fehlen Entscheidungsgrundlagen - Ausbildung ohne Evaluierungen
Wesentliche Daten und damit Entscheidungsgrundlagen wären aus RH-Sicht etwa erforderlich, um nachhaltig Voraussetzungen für den Verbleib von Turnusärzten in Österreich zu schaffen. Es sei nicht klar nachvollziehbar, warum so viele Absolventen einen nichtärztlichen Berufsweg wählen, ins Ausland abwandern oder als Allgemeinmediziner zu weniger als einem Drittel eine eigene Ordination eröffnen.

Bezüglich der Ausbildungsstätten kritisiert der RH die über Jahrzehnte gültigen Anerkennungen, ohne dass Evaluierungen vorgenommen worden wären. Kritisiert wird auch die Ärztearbeitszeit (sie wird aufgrund EU-rechtlicher Vorgaben nun verkürzt), die praxisfremden gesetzlichen Vorgaben über Kernarbeitszeit und Wochenruhe, insbesondere aber, dass über die Arbeitszeit in vielen Fällen keine Aufzeichnungen geführt wurden.

Gleiche Tätigkeit unterschiedlich entlohnt
Das hat eine weitere Folge: "Die Höhe der Turnusärztegehälter in den überprüften Krankenanstalten war intransparent und konnte nur unter Zuhilfenahme von Annahmen (Modellrechnung) vergleichbar gemacht werden", heißt es in dem Bericht. Und wirklich nachvollziehbar ist auch nicht, warum ein und dieselbe Tätigkeit unterschiedlich entlohnt wird: Im LKH Innsbruck wurden Turnusärzte verschieden entlohnt, je nachdem, ob sie in einem Dienstverhältnis zum Land oder zur Medizinuniversität waren, entdeckten die Prüfer.[2]

Weitere Informationen

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Warum das Gesundheitssystem zu teuer ist: Das österreichische Gesundheitssystem ist noch immer viel zu spitalslastig. Das geht aus einem OECD-Bericht hervor. Schuld daran ist der Filz zwischen Krankenkassen und Bundesländern, Die Presse, Christian Höller, 4. Nov. 2015
  2. 2,0 2,1 Rechnungshof zerpflückt Ausbildung der Ärzte, derStandard.at, 1. Juli 2015

Siehe auch

Weblinks