Vermögensverteilung

Aus Nachhaltige Gesellschaft
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Inhaltsverzeichnis

Vermögensbilanz der privaten Haushalte nach HFCS

Quelle: HFCS Austria 2010, OeNB:[1]

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Bruttovermögen minus Verschuldung = Nettovermögen

Verteilung des Vermögens in Österreich

Verteilung des Nettovermögens nach 4 Haushaltgruppen

Das Nettovermögen anhand der oben nach dem Bruttovermögen definierten vier Haushaltsgruppen betrachtet:

  • „untere Hälfte“ ( 0–50): Haushalte, die weniger Vermögen als der mittlere (Median) Haushalt besitzen (bis rund 93.000 EUR)
  • „obere Mitte“ (51–80): Haushalte, die über mehr Vermögen als der mittlere (Median) Haushalt verfügen, aber nicht zum Top-Fünftel gehören (ab rund 93.000 bis rund 331.000 EUR)
  •  » „Vermögende“ (80–95): Haushalte, die zum Top-Fünftel, aber nicht zu den Top-5% gehören (ab rund 331.000 EUR bis rund 979.000 EUR)
  •  » „Top-5%“ Haushalte ab rund 979.000 EUR an Bruttovermögen

Mediane und Mittelwerte des Nettovermögens nach Nettovermögensdezilen

Quelle: HFCS Austria 2010, OeNB:[1]

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Mediane und Mittelwerte des Nettovermögens nach Nettovermögensdezilen

Verteilung des Bruttovermögens in Österreich

Im Folgenden eine Übersicht über die Vermögenskonzentration des Bruttovermögens gemäß HFCS Austria 2010, OeNB:[1]

Vermögensverteilung 2010
Anteil der
Haushalte
Anteil am
Bruttovermögen
in %
Gesamt 100,0  %
Top 5 % 45,0  %
nächsten 15 % Vermögende 29,0  %
nächsten 30 % obere Mitte 22,0  %
untere Hälfte 50 % 4,0  %

Vermögensverteilung in Österreich laut Studie "Vermögen in Österreich" 2013

Der Household Finance and Consumption Survey (HFCS) der europäischen Zentralbank (EZB) stellt die erste umfassende Erhebung zu Vermögen privater Haushalte in 15 Ländern der Eurozone, darunter auch Österreich, dar. Somit ermöglicht der HFCS erstmalig eine genaue Analyse der österreichischen Vermögensbestände sowie der Vermögensverteilung. Besonders stark wirkt sich die Korrektur der Nicht- und Untererfassung auf den Vermögensbestand des reichsten Prozents aller Haushalte aus. Um diese Verzerrung zu kompensieren, empfiehlt die einschlägige wissenschaftliche Literatur die Verwendung der Pareto-Verteilung. Der Vermögensbestand des reichsten Prozents aller Haushalte steigt nach Anwendung der Pareto-Methode von durchschnittlich 6,4 Millionen Euro um 98,6% auf 12,7 Millionen Euro. Daraus ergibt sich unter anderem, dass die reichsten 10% der ÖsterreicherInnen nicht 61% (HFCS) sondern 69% des Gesamtvermögens besitzen. Im Juli 2013 veröffentlichten das Institut für Philosophie und Wissenschaftstheorie und das Institut für Volkswirtschaftslehre an der Johannes Kepler Universität Linz einen Bericht zum Forschungsprojekt "Reichtum im Wandel" im Rahmen der Studie "Vermögen in Österreich".[2] Die Autoren der Studie waren Paul Eckerstorfer und Bernhard Schütz vom Institut für Volkswirtschaftslehre sowie Jakob Kapeller, Florian Springholz, Johannes Halak und Rafael Wildauer vom Institut für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Johannes Kepler Universität Linz. Demnach besitzen 11.47% der Bevölkerung mehr als 500.000 € und 5% der Bevölkerung mehr als 1.073.117 €:

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Studie Uni Linz vom Juli 2013: 11.47% der Haushalte Österreichs haben mehr als 500.000 €[2]


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Studie Johannes Kepler Universität Linz vom Juli 2013: 5% der Haushalte Österreichs haben mehr als 1.073.117 €[2]


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Studie Johannes Kepler Universität Linz vom Juli 2013: 5% der Haushalte Österreichs haben 57.8% aller Vermögen[2]


Österreichs Reiche sind besonders reich: 1% besitzt 40% des Privatvermögens

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Luxus pur (Jachten): In Österreich hat das
reichste 1 Prozent der Bevölkerung europaweit
den größten Anteil am Gesamtvermögen:


Laut Studie der Privatbank Julius Bär[3] sind 40 Prozent des gesamten Privatvermögens im Besitz des reichsten ein Prozent der Bevölkerung. Die privaten Vermögen in Europa haben mit insgesamt 56 Billionen Euro im vorigen Jahr ein neues Rekordniveau erreicht. Zugenommen haben aber auch die Ungleichgewichte: So besitzen reiche Haushalte einen immer größeren Teil des gesamten Vermögens. Österreich und Deutschland weisen die höchsten Vermögenskonzentrationen auf.

In Österreich sind 40 Prozent der gesamten Privatvermögen im Besitz des reichsten ein Prozent der Bevölkerung, zeigt der am 2. Okt. 2014 erstmals publizierte "Wealth Report Europe" der Schweizer Privatbank Julius Bär. In Deutschland sind es demgegenüber 35 Prozent, die dem reichsten Prozent gehören. Am niedrigsten ist die Konzentration im Vereinigten Königreich, Griechenland und den Niederlanden, wo 15 Prozent oder weniger der gesamten Privatvermögen im Besitz des "obersten" Prozent sind.

Höchste Vermögenskonzentrationen in Österreich, Deutschland, Zypern & Schweiz

2013 sind die privaten Vermögen in Europa gegenüber 2012 um 1,7 Prozent gewachsen und haben damit zum ersten Mal den Höchststand von vor der Finanzkrise übertroffen. Die Entwicklung der Vermögen ist jedoch seit der Finanzkrise sehr unterschiedlich verlaufen. Während in Deutschland, Österreich, Frankreich aber auch in der Schweiz das Gesamtvermögen um bis zu zwei Drittel gewachsen ist, ist es in Großbritannien, Italien, Spanien und Griechenland zum Teil deutlich geschrumpft. Das hat auch zu einer verstärkten Konzentration der Vermögen innerhalb Europas geführt. Während in den Kernländern das gesamte private Kapital angewachsen ist, ist es in den Länder der Peripherie gesunken. Zwei Drittel aller europäischen Vermögen liegen heute in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien. Unterschiedlich verteilt sind jedoch nicht nur die Vermögen zwischen den einzelnen Ländern, sondern auch zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. So besitzen laut der Studie die reichsten 10 Prozent der europäischen Haushalte mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens in Europa. Die höchsten Vermögenskonzentrationen weisen dabei wie schon erwähnt Österreich, Deutschland, aber auch Zypern und die Schweiz auf.

Je weniger Erbschaftssteuer, um so höher die Kapitalkonzentrationen

Geringere Tiefen an Kapitalkonzentrationen sind demgegenüber in Spanien, in den Niederlanden und in Großbritannien zu finden. Ein Grund für die unterschiedlichen Konzentrationsraten sind dem Report zufolge die Differenzen bei der Erbschaftssteuer. Während Österreich, Zypern aber auch die Schweiz Erbschaften kaum oder nur sehr gering besteuern, müssen Erben in Großbritannien, Spanien und Frankreich bis zu 45 Prozent des vererbten Vermögens an den Staat abliefern.

Laut Studienmitautor Burkhard Varnholt wird das jedoch die europäischen Staaten vor Probleme stellen. Ohne ausgeglichene Vermögensverteilung gebe es nämlich kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Konkret sagt die Studie ein weiteres Anwachsen der europäischen Vermögen um 40 Prozent bis 2019 voraus. Dieses Wachstum wird in Ländern wie Österreich ohne oder mit geringen Erbschaftssteuern besonders hoch ausfallen[3]

Sozioökonomische Merkmale der Referenzperson nach Haushaltsgruppen

Vermögen und Einkommen der Haushaltsgruppen in Österreich

Quelle: HFCS Austria 2010, OeNB:[1]

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Österreich: Vermögen und Einkommen der Haushaltsgruppen in EUR

Wohnsituation der Haushaltsgruppen in Österreich

Quelle: HFCS Austria 2010, OeNB:[1]

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Österreich: Wohnsituation der Haushaltsgruppen

Vermögen nach Alter, Bildung und Beruf der Haushaltgruppen

Quelle: HFCS Austria 2010, OeNB:[1]

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Vermögen nach Alter, Bildung und Beruf der Haushaltgruppen

Geldvermögen privater Haushalte & Erbschaftssteuer in Deutschland

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Nettogeldvermögen privater Haushalte in Deutschland stiegen von 1991 bis 2010 um 5.7% pro Jahr [4]


„Explosionsartig“ – so charakterisiert das Deutsche Institut für Altersvorsorge in einer Studie von 2011 die Entwicklung der Vermögen in Deutschland. Anfang 2010 waren es über neun Billionen Euro – davon ungefähr die Hälfte Geldvermögen, die andere Hälfte Immobilien und Sachvermögen. Fast ein Drittel dieses riesigen Vermögens – 2,6 Billionen Euro – wird noch in dem Jahrzehnt bis 2020 vererbt [4]. Dieser Reichtum ist sehr ungleich verteilt. Die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung besitzen über 60 Prozent dieses Vermögens, die ärmere Hälfte der Bevölkerung hat dagegen im Schnitt gar kein Vermögen. Erbschaften sind Einkommen ohne jede Leistung, lediglich ein Zufall der Geburt. Und gerade die erben besonders viel, die ohnehin schon viel haben. Die Erbschaftsteuer könnte dies ein wenig korrigieren. 2011 werden jährlich in Deutschland rund 250 Milliarden Euro vererbt. Davon fallen gerade einmal 4,4 Milliarden Euro oder 1,7 Prozent an Erbschaftsteuer an. Ver.di fordert seit langem eine höhere Besteuerung großer Erbschaften. Das jährliche Aufkommen könnte so immerhin auf zehn Milliarden Euro gesteigert werden. Dies wäre ein wichtiger Schritt um der zunehmenden Spaltung unserer Gesellschaft in immer mehr Arme und wenige Superreiche entgegenzuwirken.

ver.di fordert Erbschaftsteuer auch auf vererbte Betriebsvermögen

Rund 250 Milliarden Euro werden jährlich in Deutschland vererbt. Tendenz steigend. Darauf fallen gut vier Milliarden Euro Erbschaftsteuer an. Das sind nicht einmal zwei Prozent. Zuletzt ist dieser Betrag sogar wieder gesunken [5]. Änderungen im Steuerrecht brachten 2008 umfangreiche Vergünstigungen. Vor allem für Betriebsvermögen, weil die Steuer angeblich die Existenz von Betrieben und Jobs gefährde. Die Vergünstigungen hat nun der wissenschaftliche Beirat des Bundesfinanzministeriums auf den Prüfstand gestellt: „Nicht zu rechtfertigen" seien sie. Statt Arbeitsplätze zu erhalten, können Anreize zur „Steuergestaltung" mit Begünstigung von Betriebsvermögen bei der Erbschaftssteuer sogar Arbeitsplatzverluste verursachen, so das vernichtende Urteil [6]. Trotzdem sieht die Bundesregierung keinerlei Reformbedarf. Obwohl über kurz oder lang voraussichtlich auch das Bundesverfassungsgericht die Vergünstigungen für verfassungswidrig erklären wird. Dabei könnten Regierungsparteien wie Opposition die Argumente des Beirats als Argument für höhere Erbschaftssteuern mit Einbeziehung vererbter Betriebsvermögen nutzen. Denn jetzt widerlegt ein offizieller Bericht die immer wieder vorgetragene Behauptung der Unternehmer, die Erbschaftsteuer würde Betriebe und Jobs gefährden. Zehn Milliarden Euro würde die Steuer in Deutschland bringen, wenn Erben so hoch besteuert würden wie in Frankreich. Angesichts von Schuldenbremse und zu hohen Steuern auf Erwerbseinkommen ist eine stärkere Besteuerung von reichen Erben dringend geboten.

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Österreich ist Schlußlicht bei Erbschafts- & Schenkungssteuern in % des Bruttoinlandsprodukts [5]


Sabine Reiner, ver.di-Bereich Wirtschaftspolitik: "Angesichts der klammen Haushaltslage ist eine stärkere Besteuerung von hohen Erbschaften dringend geboten!" Im Januar 2007 hatte das Bundesverfassungsgericht bei der Erbschaftsteuer eine Reform angemahnt. Wie zuvor bei der Vermögensteuer hat das Gericht die zu niedrige Bewertung von Grund- und Immobilienvermögen als verfassungswidrig erklärt. Betriebsvermögen werde noch niedriger bewertet und die Erben erhielten zusätzlich vielfältige Vergünstigungen. Laut Urteil müssen alle Vermögensarten zu ihrem tatsächlichen Wert bewertet werden. Erst in einem zweiten Schritt könne der Gesetzgeber Festlegungen über Vergünstigungen treffen. Diese müssten aber gut begründet sein [7].

ver.di: Bagatellsteuer für Millionenerben

Grund-, Immobilien- und Betriebsvermögen gehen nach dem neuen deutschen Gesetz nun zwar mit ihrem tatsächlichen Wert in die Berechnung der Erbschaftsteuer ein. Sie werden gegenüber Geldvermögen nicht mehr bevorzugt. Dafür hat die Koalition aber die Freibeträge, ab denen überhaupt erst Erbschaftsteuer fällig wird, für Eheleute, Lebenspartner und Kinder etwa verdoppelt: auf eine halbe Million für Eheleute, Lebenspartnerinnen und Partner, auf 400.000 Euro für jedes Kind. Selbst Villen und Luxusan­wesen können ab 2009 steuerfrei vererbt werden. Und dies gilt nur für Geldvermögen! Die Villenbesitzer am Starnberger See haben zusätzlich durchgesetzt, dass selbst genutzte Häuser innerhalb der Familie völlig steuerfrei vererbt werden können – unabhängig davon, wie luxuriös das Anwesen ist. Für Kinder gibt es bei der Steuerfreiheit lediglich die Beschränkung auf 200 Quadratmeter Wohnfläche, für jedes Kind versteht sich. Steuergeschenke für Betriebserben sind laut ver.di überflüssig. Bisher war der Anteil der Erbschaftsteuer auf Betriebsvermögen mit etwa acht Prozent am Gesamt aufkommen sehr gering. Das gilt auch für den internationalen Vergleich: Für Unternehmen mit einem Marktwert von 4,4 Millionen Euro lag die Steuerbelastung bei vier Prozent – gegenüber 16 Prozent in Frankreich und sogar 36 Prozent in den USA [7].

Betriebe können im Fall eines Weiterbetriebs über 10 Jahre steuerfrei vererbt werden

Rund 80 Prozent der Betriebe hatten 1995 einen Wert von weniger als 256.000 Euro. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor. Wenn Bäcker Müller seine Backstube oder Frisörin Meier ihren Salon an Tochter oder Sohn vererben, fällt in aller Regel keine Erbschaftsteuer an. Mit dem Argument, die Erbschaftsteuer gefährde Betriebe und damit Arbeitsplätze, hat die Unternehmerlobby bei der Reform ihre Interessen durchgesetzt. Obwohl kein Fall von Gefährdung nachzuweisen ist. Betriebe können nach dem neuen Gesetz (2009) völlig steuerfrei vererbt werden, wenn die Erben ihn mindestens zehn Jahre weiterführen. Wird der Betrieb sieben Jahre weitergeführt, bleiben 85 Prozent des Erbes steuerfrei. Die einzige Bedingung ist, dass die Lohnsumme der Beschäftigten nicht unter den ursprünglichen Wert sinken darf. Sie kann in der Zeit zwar schwanken, darf aber nach sieben bzw. zehn Jahren im Durchschnitt nicht niedriger sein als vor dem Erbfall. Die Gefährdung von Arbeitsplätzen durch die Erbschaftsteuer ist also eine unrictige Darstellung von Unterneh­merlobby und Politikern. Doch selbst gegen dieses überflüssige Steuergeschenk läuft die Unternehmerlobby noch Sturm und fordert weitere Vergünstigungen oder gleich ganz die Abschaffung der Erbschaftsteuer wie dies sogar 2012 in Österreich noch der Fall ist. Über einen so langen Zeitraum könne der Erhalt von Arbeitsplätzen nicht garantiert werden [7]. Die Unternehmer wehren sich also dagegen, Arbeitsplätze erhalten zu müssen, obwohl dies erst die Begründung für die Vergünstigungen bei der Vererbung von Betrieben lieferte. Die durch das Urteil notwendig gewordene Reform wäre eine gute Gelegenheit gewesen, die Einnahmen aus der Erbschaftsteuer auf internationales Niveau zu bringen. Das Gericht hatte lediglich verlangt, alle Vermögensarten zu ihrem tatsächlichen Wert zu erfassen. Dies hätte den Gesamtwert des vererbten Vermögens verdoppelt. Zusätzlich wären mehr Erbfälle steuerpflichtig geworden. Die Einnahmen aus der Erbschaftsteuer hätten sich von im Jahr 2009 vier auf acht Milliarden Euro verdoppelt.

ver.di fordert eine höhere Besteuerung großer Erbschaften

  • Als Ziel will ver.di jährliche Einnahmen von zehn Milliarden Euro.
  • Die steuerfreie Vererbung von normalen Einfamilienhäusern an die Familie muss durch Frei­beträge sichergestellt werden.
  • Keine Privilegierung von Betriebsvermögen. Sollten bei der Vererbung von Betriebs­vermögen tatsächlich Problem­fälle auftreten, plädiert ver.di für eine großzügige Stundungs­regelung.

Extrem ungleiche Verteilung des Vermögens in der BRD (2011)

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Extrem ungleiche Verteilung des Vermögens in der BRD (2011)


Umschichtung von Einkommensteuer zu Erbschaftssteuer: positiver Effekt auf soziale Wohlfahrt

Das Working Paper "Die Erbschaftssteuer im Modell der optimalen Besteuerung" von Johann K. Brunner vom Institut für Volkswirtschaftslehre an der Johannes Kepler Universität Linz (7. Dezember 2010) sieht in Erbschaftssteuern einen positiven Effekt auf die soziale Wohlfahrt.

„Durch den Vererbungsprozess entsteht eine Ungleichheit der Anfangsausstattungen. Bezieht man diese mit ein, so hat eine (marginale) Umschichtung von der Einkommensteuer zur Erbschaftssteuer einen positiven Effekt auf die soziale Wohlfahrt.[8]

Steueraufkommen aus Einkommensbesteuerung und vermögensbezogenen Steuern

Vermögenssteuer im internationalen Vergleich: Grundsteuer & Erbschaftssteuer

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Nur eine Handvoll Länder verzichtet auf Erbschaftssteuern (Kurier, 24.7.2014)[9]


Folgende zwei internationale tabellarische Vergleiche über Abgabenstrukturen stammen aus der Studie "Vermögensbesteuerung - Ein internationaler Vergleich" von Mag. Karl Goldberg, Wien, Dezember 2007, Österreichische Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung - ÖGPP, PDF-Datei, S. 22 & 23 von 173 Seiten, 1,24 MB [10].

Abgabenstruktur in % des BIP - internationaler Vergleich

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OECD Revenue Statistics (2006i): Abgabenstruktur in % des BIP - internationaler Vergleich


Abgabenstruktur in % des gesamten Abgabenaufkommens - internationaler Vergleich

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OECD Revenue Statistics (2006j): Abgabenstruktur in % des gesamten Abgabenaufkommens - internationaler Vergleich


Höhere Mineralöl­steuer würde Reiche treffen

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Reiche verbrauchen mehr Sprit[11]


Würde die Mineralölsteuer angehoben, so träfe das in erster Linie sehr gut verdienende Autofahrer. Das oberste Einkommensviertel in Österreich verbraucht 1,827 Mrd. Liter Treibstoff im Jahr, während die unterste Einkommensschicht gerade einmal 401 Mio. Liter Sprit verbraucht. Würde die Mineralölsteuer um zehn Cent je Liter angehoben - wie von der ÖVP im Jahr 2010 angedacht - dann würde dies die reichsten Haushalte monatlich 17,50 Euro mehr kosten. Die ärmsten Haushalte hingegen müssten 3,80 Euro mehr zahlen, rechnete im Mai 2010 der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) vor. "Die Anhebung der Treibstoffbesteuerung ist ein gutes Mittel, damit Wohlhabende stärker zur Budgetsanierung betragen", so die Schlussfolgerung von VCÖ-Experten Martin Blum. Er forderte auch Änderungen bei der Pendlerpauschale. Von dieser würden bisher in erster Linie reiche Autofahrer profitieren. "30 Prozent der Beziehenden der Pendlerpauschale verfügen über ein Einkommen von über 40.000 Euro pro Jahr", gibt Blum zu bedenken. Auffallend sei, dass die durchschnittliche Weglänge zwischen Wohnort und Arbeitsplatz mit dem Einkommen steigt. Der VCÖ forderte einmal mehr die Einführung einer kilometerabhängigen Pkw-Maut, denn das derzeitige Vignettensystem bestrafe Wenigfahrer - und somit in erster Linie arme Haushalte. Das derzeitige Steuersystem belaste aber nicht nur Wenigverdiener besonders stark, es benachteilige auch noch Wenigflieger. Denn der Flugverkehr ist unter anderem von der Kerosinsteuer befreit. Zusammen mit anderen Steuerbefreiungen wird der EU-Luftverkehr laut Blum jährlich mit 27 bis 35 Mrd. Euro vom Steuerzahler indirekt subventioniert. Österreich würden jährlich mehr als 300 Mio. Euro durch die Steuerzuckerl entgehen. Blum tritt dafür ein, dass Kerosin wie Benzin besteuert wird.[11]

Weitere Informationen

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Oesterreichische Nationalbank: Fakten zur Vermögensverteilung in Österreich, 2012
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 PDF, Studie "Vermögen in Österreich" von Paul Eckerstorfer, Bernhard Schütz, Jakob Kapeller, Florian Springholz, Johannes Halak und Rafael Wildauer,
    Johannes Kepler Universität Linz, Bericht zum Forschungsprojekt "Reichtum im Wandel", Juli 2013, PDF, 45 Seiten, 4.1 MB
  3. 3,0 3,1 Österreichs Reiche sind besonders reich, derStandard.at, 2. Oktober 2014
  4. 4,0 4,1 Wer hat, dem wird gegeben, Geldvermögen privater Haushalte in Deutschland, ver.di Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, Juni 2011, PDF-Datei, 1 Seite, 78 kB]
  5. 5,0 5,1 Erbschaftsteuer ohne Jobabbau, ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, April 2012, PDF-Datei, 1 Seite, 127 kB
  6. ver.di 2012: "Nicht zu rechtfertigen" sei die Verschonung von Betriebsvermögen bei der Erbschaftssteuer
  7. 7,0 7,1 7,2 Konzept Steuergerechtigkeit, S.16 von 32, ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft fordert um 6 Mrd. € mehr Einnahmen durch Besteuerung hoher Erbschaften, PDF-Datei, Jan. 2009, 1.46 MB
  8. Die Erbschaftssteuer im Modell der optimalen Besteuerung, Johann K. Brunner, Johannes Kepler Universität Linz, 7. Dezember 2010, PDF, 28 Seiten, 196 kB
  9. Vermögenssubstanzsteu­ern waren vor 300 Jahren zeitgemäß, Warum Wirtschafts-Professor Bernhard Felderer diese Abgaben ablehnt, Kurier, 24. Juli 2014
  10. Vermögensbesteuerung - Ein internationaler Vergleich, Studie von Mag. Karl Goldberg, Wien, Dezember 2007, Österreichische Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung - ÖGPP, PDF-Datei, S. 22 & 23 von 173 Seiten, 1,24 MB
  11. 11,0 11,1 Höhere Mineralöl­steuer würde Reiche treffen, derStandard.at, 19. Mai 2010, abgerufen am 15. Sept.2013

Literatur

Siehe auch